Wasserwirtschaftsamt
Weiden

Ökologische Funktion

Die Natur des Grundwassers:

Leben vom Grundwasser

Unsere heimische Flora und Fauna lebt in vielen Bereichen vom Grundwasser. Viele kleine und große Ökosysteme in unserer Landschaft sind durch Quellen oder sehr hohe Grundwasser-
stände geprägt. Oft sind in ihnen seltene Pflanzen- und Tierarten zu finden. Diese "Spezialisten" sind auf die feuchten bis nassen Lebensbedingungen angewiesen.
Wird dem Untergrund Wasser entzogen - etwa zur Entwässerung bei Baumaßnahmen oder für die Landwirtschaft -, so sinken zwangsläufig die Grundwasserstände im näheren Umkreis. Wo solche Entnahmen nicht im Einklang mit dem Wasserhaushalt bleiben, können sie zu irreparablen Schäden in diesen Biotopen führen.
In der Vergangenheit haben Grundwasserabsenkungen viele unserer Feuchtgebiete und Auen gravierend Verändert. Den Pflanzen und Tieren, die sich auf feuchte und nasse Biotope spezialisiert haben, wurde ihre Existenzgrundlage entzogen. Sie mussten der neuen Situation - beispielsweise einer landwirtschaftlichen Nutzung - weichen. In den verbliebenen Restlebensräumen waren sie einer erheblichen Konkurrenz durch so genannte Allerweltsarten ausgesetzt, die sie nicht immer zu ihren Gunsten entscheiden konnten. Die Folge: Nur noch wenige grundwasserabhängige Pflanzen- und Tierarten sind in unseren Landschaften heimisch. Nicht selten sind sie vom Aussterben bedroht und stehen in den "Roten Listen" gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Heute unterstützt der Freistaat Bayern deshalb mit seinem Auenprogramm das Vernässen von Feuchtgebieten und Auen. Ziel ist es, den Austrocknungsprozess aufzuhalten und angestammten Arten ihren Lebensraum zurückzugeben.

Teichufer mit Röhricht und Sumpfpflanzen + Feuchtgebiete sind Rückzugsorte für zahlreiche vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten

Leben im Grundwasser

Grundwasser lebt! Und den natürlichen Organismen darin verdankt es seine ständige Reinigung.

Das Grundwasser mikrobiologisch zu untersuchen, war allerdings ehedem mehr durch Krankheitserreger veranlasst, die aus ungeklärten Abwässern oder durch verunreinigte Brunnen ins Grundwasser geraten waren - Grund genug, die natürliche Zusammensetzung der Grundwasserbiologie zu schützen und zu bewahren! Noch 1966 schrieb der Autor eines Buches zur Grund- und Trinkwasserbiologie: "Berücksichtigt man die Verständnislosigkeit, Unachtsamkeit und Gleichgültigkeit, mit der noch gegenwärtig manche Brunnenbesitzer und Brunnenbenutzer der Trinkwasserversorgung gegenüberstehen, so ist die Behauptung nicht übertrieben, dass es an Unrat und Abfall nichts gibt, was nicht schon in einem nicht fest verschlossenen Kesselbrunnen aufgefunden worden ist." Nicht zuletzt dank der Erkenntnisse der modernen Hygiene sind derlei Missstände heutzutage nicht mehr zu beobachten.
Aber auch im sauberen Grundwasser gibt es Leben. Und das ist gut so. Denn: Mit dem Oberflächenwasser sickert langsam, aber stetig eine geringe Menge organischen Materials in den Boden.
Wenn Grundwasserorganismen diese organischen Stoffe nicht zersetzten, würden die Porenräume des Grundwasserleiters langsam verstopfen. Grundwasser ist ein besonderer Lebensraum, der außer einer vielfältigen Bakterienflora auch zahlreiche Tierarten beherbergt. Wesentliche Kennzeichen dieses Lebensraumes
sind völlige Dunkelheit, weitgehende Temperaturkonstanz und Nahrungsarmut. Diese Bedingungen ließen eine hoch spezialisierte Tierwelt entstehen, deren Ursprünge bis in die letzte Eiszeit zurückreichen. Am häufigsten lassen sich Einzeller, Würmer und verschiedenste Kleinkrebse beobachten, meist allerdings nur mit dem Mikroskop.

Bild eines Brunnenkrebses + Brunnenkrebse gehören zu den größten Grundwasserbewohnern. Je nach Art können sie bis zu 2 cm groß werden.
Bild eines Muschelkrebses + Muschelkrebse "grasen" Biofilme ab und helfen so, die Porenräume des Grundwasserleiters frei zu halten.
Bild eines Rädertierchens + Rädertiere filtrieren Bakterien und andere organische Partikel aus dem Grundwasser und tragen so zur Reinigung bei.
Bild von Ruderfußkrebsen + Harpacticoiden sind winzige Ruderfußkrebse. Oft weniger als 1 mm groß können sie auch sehr feinkörnige Lückensysteme im Grundwasser besiedeln.

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