Hochwasservorsorge - Kluger Mensch baut vor
Der technische Hochwasserschutz hat trotz seiner positiven Wirkungen auch Nachteile: die Menschen hinter den Schutzeinrichtungen leben nicht mehr mit dem Hochwasserrisiko. Immer größere Werte werden hinter den Schutzanlagen angesammelt. Ein Hochwasser, das dann die geschützte Höhe übersteigt, richtet sehr große Schäden an.
Dieses Restrisiko kann nur durch richtige Vorsorge minimiert werden. Dazu sind alle aufgerufen:
- der Staat, der Überschwemmungsgebiete ausweist und den Bürger vor Hochwasser warnt und
- der Bürger selbst, der durch Maßnahmen der Eigenvorsorge auftretende Schäden minimiert bzw. das verbleibende Restrisiko finanziell absichert.
| Staatliche/kommunale Vorsorge | Eigenvorsorge |
|---|---|
| Flächenvorsorge (Freihalten von Überschwemmungsgebieten) | Bauvorsorge (Baumaterialien und Nutzungskonzepte) |
| Hochwasservorhersage und -warnung (Hochwassernachrichtendienst) | Risikovorsorge (Versicherung) |
| Katastrophenmanagement (Alarm- und Einsatzpläne) | Verhaltensvorsorge (Checklisten) |
Überschwemmungsgebiete von Bebauung freihalten
Die wirksamste Vorsorge ist der generelle Verzicht auf Bebauung in Überschwemmungsgebieten. Die Landratsämter setzen die Überschwemmungsgebiete auf Vorschlag der Wasserwirtschaftsämter förmlich fest. Die Gemeinden verhindern ein weiteres Anwachsen des Schadenspotenzials, in dem sie die Überschwemmungsgebiete von Bebauung und anderen Fehlnutzungen freihalten.
Die Wasserwirtschaftsverwaltung ermittelt im Rahmen des Projekts "Ermittlung und Festsetzung von Überschwemmungsgebieten in Bayern" die Überschwemmungsgebiete an allen größeren Flüssen. Das sind die Gewässer erster und zweiter Ordnung sowie größere Gewässer dritter Ordnung – insgesamt 9050 km. Die ermittelten Gebiete werden den Landratsämtern zur Festsetzung zugeleitet. Seit 2004 können die bereits ermittelten Gebiete im "Informationsdienst überschwemmungsgefährdete Gebiete" (IÜG) eingesehen werden.
Luftaufnahme mit eingezeichnetem ÜberschwemmungsgebietWeiterführende Informationen
Links zu anderen Angeboten
Frühwarnsystem - Hochwasser ist vorhersagbar
Ist ein Hochwasser im Anmarsch, entscheidet oft die Vorwarnzeit über das Ausmaß der Schäden. Die Wasserwirtschaftsverwaltung hat mittlerweile ein modernes System der Hochwasservorhersage und -warnung entwickelt. In Bayern werden für insgesamt 40 Flüsse mit rund 5000 Flusskilometern Hochwassernachrichten erstellt: 320 Pegel liefern Wasserstands- und Abflussmeldungen, die zu Hochwasserzeiten stündlich im Internet zur Verfügung gestellt werden. Für ausgewählte Pegel können zudem Hochwasservorhersagen abgefragt werden.
Die Hochwasserlageberichte werden über Internet, Radio, Fernsehen, Presse, Videotext und per Telefonansage der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Lageplan der Hauptmeldepegel in BayernDie Hochwasservorhersage stößt jedoch in kleinen Einzugsgebieten an ihre Grenzen. Dort ist die Zeit zwischen dem Niederschlagsereignis und dem Hochwasser zu kurz für eine Warnung der Betroffenen.
Weiterführende Informationen
Links zu anderen Angeboten
Ein Muss für alle Gemeinden – örtliche Alarm und Einsatzpläne
Auf Gemeindeebene erleichtern örtlich angepasste Alarm- und Einsatzpläne Hilfskräften und Profis das Eingreifen und sorgen für eine zügige Information aller Betroffenen. So können Güter rechtzeitig aus der Gefahrenzone entfernt werden, Verkehrswege gesperrt, Versorgungsanlagen (Gas, Wasser, Strom und Öl) gesichert und Evakuierungen vorgenommen werden.
Der Bayerische Gemeindetag hat den Praxisratgeber "Hochwasserschutz für Kommunen" herausgegeben, der die Städte und Gemeinden bei ihren Planungen unterstützt.
Kluger Mensch baut vor
Viele Schäden an baulichen Anlagen in Überschwemmungsgebieten lassen sich vermeiden. Besteht Hochwassergefahr, so sollte die gesamte Bauweise darauf abgestellt sein. Das beginnt bei der Wahl wasserunempfindlicher Baumaterialien und Konstruktionen, gilt für Roh- und Innenausbau und umfasst auch Nutzungskonzepte für Keller und Erdgeschossräume und die Wahl der Heizungsanlage.
Bauvorsorge in der Passauer Ilzstadt: Die Garagen sind unten, das Wohnzimmer in der ersten EtageHier ist die Kreativität aller Beteiligten gefragt: Kommunen, Ingenieure, und Bauherrn. Hinweise für das Planen und Bauen in überschwemmungsgefährdeten Gebieten bietet beispielsweise die Hochwasserschutzfibel des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen.
Weiterführende Informationen
Dokumente zum Download/Bestellen
Was tun, wenn das Wasser kommt?
Irgendwann passiert es - das Wasser kommt - Panik macht sich breit!
Glück im Unglück für den, der sich zur rechten Zeit überlegt hat, was im Ernstfall zu tun ist und Checklisten erstellt hat. Checklisten können eine gute Hilfe sein, dass in der Aufregung nichts Wichtiges vergessen wird.
Bei den weiterführenden Informationen am Ende der Seite finden Sie eine Checkliste, was vor, während und nach einem Hochwasser zu tun ist.
Weiterführende Informationen
Links zu anderen Angeboten
Risikovorsorge
Selbst wenn natürlicher Rückhalt, technischer Hochwasserschutz und Hochwasservorsorge optimal sind, bleibt immer noch ein Restrisiko.
Die Versicherungswirtschaft bietet im Rahmen von Elementarschadensversicherungen grundsätzlich die Möglichkeit an, sich gegen das Überschwemmungsrisiko zu versichern. Dies gilt jedoch nicht uneingeschränkt in Bereichen mit hohen Gefährdungsrisiken.


