Struktur
Wasserversorgung ist in Bayern Pflichtaufgabe für jede Kommune. Dem entsprechend hat sich eine vorwiegend ortsnahe Struktur entwickelt, die feingliedrigste im bundesweiten Vergleich. Zwar bedeutet dies immer größere Herausforderungen an Organisation und Technik, gerade unter den heutigen Marktbedingungen. Doch die Anstrengungen für ein feinmaschiges Netzwerk der Wasserversorger lohnen sich, denn es bedeutet auch klare Vorteile:
- Der Grundwasserhaushalt - so vielfältig wie eben die Naturgegebenheiten in Bayern sind - wird nicht schwerpunktmäßig belastet, sondern lässt sich gestreut und örtlich angepasst schonend bewirtschaften.
- Die Vielfalt geochemischer Grundwassertypen lässt sich individuell handhaben, Mischungsprobleme reduzieren sich auf ein Minimum.
- Ein synergetisches Netzwerk aus zahlreichen autonomen Systemen ist technisch und organisatorisch weniger krisenanfällig (Unglücksfälle, Anschläge, Unternehmenskrisen) als Großsysteme.
- Ortsnahe Gewinnungen begünstigen das persönliche und soziale Bewusstsein für das Trinkwasser und für einen nachhaltigen Umgang mit dem Grundwasser.
Etwa 2.400 überwiegend kommunale Unternehmen betreiben über 3.400 Wassergewinnungsanlagen mit etwa 4.500 Brunnen und 5.000 Quellen. Damit versorgen sie knapp 99 % der gut 12 Millionen Einwohner Bayerns. Daneben bestehen in ländlichen Gegenden noch zahlreiche Eigenversorgungen mit Hausbrunnen oder eigenen Quellfassungen.
Die Struktur der Wasserversorgung: Viele kleine Unternehmen sorgen für die kommunale Eigenständigkeit der Trinkwasserversorgung (Umweltstatistik 2004).Kommunale Wasserversorgungsunternehmen müssen kostendeckend wirtschaften: Sie dürfen also keine Gewinne einfahren, andererseits müssen sie aber finanziell in der Lage bleiben, die Anlagen und Rohrnetze instand zu halten, auszubauen und zu erneuern - und dabei mit dem Stand der Technik Schritt zu halten. Dies erfordert auch adäquate Wasserpreise. Gerade bei kleinen Wasserversorgungsunternehmen allerdings können die nötigen Aufwendungen in ein ungünstiges Verhältnis zur verkauften Wassermenge geraten.
Um den heutigen Anforderungen an einen effizienten und wirtschaftlichen Betrieb, an die Qualitätssicherung und an eine langfristige Versorgungssicherheit gerecht zu werden, sind vor allem die kleinen Unternehmen auf eine intensive Zusammenarbeit im Netzwerk der Wasserversorger angewiesen:
- "Wasserwerksnachbarschaften" fördern den technischen und organisatorischen Erfahrungsaustausch.
- "Benchmarking" (Kennzahlenvergleich zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit) lässt Schwachstellen erkennen und Verbesserungsmöglichkeiten konkretisieren.
- Kooperationen von Wasserversorgungsunternehmen sind nicht nur zur gegenseitigen Versorgungssicherheit sinnvoll, sondern auch, um betriebstechnische, betriebswirtschaftliche und organisatorische Ressourcen gemeinsam zu nutzen, also die Aufwendungen synergetisch zu minimieren.
Nur eine modern organisierte, leistungsstarke kommunale Wasserversorgung wird sich in einem Wettbewerb auf dem Trinkwassersektor letztendlich behaupten können (Stichwort "Liberalisierung").
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